Einige werden vielleicht sagen, dass dies eine
eigenartige Wahl des Themas für das Erntedankfest sei. Frieden schaffen ist
eine aktive Tat, und es bedeutet, dass Friede nicht einfach so entsteht, ohne
dass jemand etwas dazu tut. Doch manchmal geschieht es unerwartet, in
schwierigen Momenten. Wir sind uns alle darin einig, dass unsere Welt Frieden
bitter nötig hätte. Aber stellt euch
einmal vor, wenn kein Mensch mehr an die Möglichkeit des Friedens glauben
würde, so wäre diese Welt noch viel
schlimmer dran... Deshalb möchte ich Gott danken für all die Menschen, die den
Frieden um sich zu schaffen suchen. Die aktuellen Nachrichten zeigen uns, wie
schwierig der Friede zu finden ist: Im Irak, zwischen Palästinensern und
Israelis, zwischen Tschetschenen und Russen, im Darfour und an vielen andern
Orten. Wie kann man noch an einen möglichen Frieden glauben, wenn überall
soviel Gewalt regiert?
Zu oft verwechselt man den Frieden mit dem
blossen Schweigen der Waffen, oft mit
Gewalt erzwungen oder durch die Erschöpfung der kämpfenden Parteien entstanden.
Man vergisst allzu leicht, dass wirklicher Friede nur entsteht, wo das Gespräch
zwischen den Parteien möglich und die Gerechtigkeit angestrebt wird. Man gibt
sich zu oft mit einem Waffenstillstandsvertrag zufrieden und verschiebt die
Bedingungen für einen dauerhaften Frieden auf später. Das ist die Erfahrung
unserer Welt in zu vielen Kriegen, trotz aller Vermittlungsversuche. Und doch –
der Friede ist nicht unmöglich. Man muss zwar einsehen, dass er oft wacklig und
zerbrechlich ist, und diejenigen, die ihm am allermeisten herbeisehnen, haben
kaum Gelegenheit, zu Wort au kommen. Doch der Friede ist möglich... Man kann
das seit über zwanzig Jahren zwischen Frankreich und Deutschland sehen und
sogar in Nordirland. Die Zeitungen schreiben nicht viel darüber, auch wenn das
wichtig wäre.
Friede ist nicht nur schwierig zwischen
den Nationen, sondern auch zwischen einzelnen Menschen. In vielen
Lebenssituationen ist der Friede das, was am schwierigsten zu finden ist, ich
denke vor allem in Momenten der tiefen Trauer. Der auferstandene Christus
erschien seinen verwirrten und traurigen Jüngern und grüsste sie mit den
Worten: «Friede sei mit euch!» (Johannes 20, 19.) Die Jünger hatten diesen
Frieden so sehr nötig, denn sie meinten, dass mit Jesu Tod nun alles zu Ende
sei... vor allem die Hoffnung. In solchen Momenten ist der Friede schwierig zu
finden in sich selbst. Und man wünscht sich, von friedlichen Leuten umgeben zu
sein in dieser Situation, weil der Friede so kostbar ist und wir ihn überall
suchen möchten.
Wenn wir mitten in unseren Schwierigkeiten
ein paar Augenblicke Frieden empfinden dürfen, so ist das ein wahrer Segen. Und
wir dürfen Gott dafür von Herzen danken. Das nimmt uns die Schwierigkeiten
nicht weg, aber es macht sie erträglicher, wie ein kühler Luftzug an einem
heissen Sommertag.
Gott für alles, was er uns zukommen lässt,
zu danken, ist eine Quelle inneren
Friedens. In unserem Leben können wir nicht alles kontrollieren: Das Wetter, zu
viel Regen oder Sonne, Krankheiten und Unfälle, Streit und Trennungen. Wir
dürfen uns für alles Gott anvertrauen, ihn um seinen Frieden bitten und um das,
was er in uns wachsen lassen kann: Geduld, Durchhaltevermögen, die Fähigkeit,
sich zu helfen wissen et vor allem andern die Hoffnung, die wir in ihn setzen.
Pierre-Paul Lafond