Ihre Kinder sind Ihr lebendiges Erbe, geben Sie ihnen das schönste Geschenk: Sie selbst.
Eines ist fünf Monate, das andere drei Jahre alt. Jedes Mal, wenn meine
Frau oder ich sie anschauen, sehen wir, dass sie kein Wort unseres
Gespräches verpassen wollen, auch wenn sie längst nicht alles
verstehen. Beim älteren sind es mindestens vierzig Mal pro Stunde die
ähnlichen Fragen: «Warum? » oder so ähnlich. Die Kleine folgt
aufmerksam unseren Blicken, unseren Augen, um Neues zu sehen und zu
hören. Es ist immer wieder das Selbe. Sie werden begriffen haben, es
geht um unsere beiden Enkelkinder. Ein neuer Schatz, und wir sind die
neue Grosselterngeneration, und wir sind so glücklich, Enkel zu haben.
Diese sind ja die zukünftigen Erwachsenen von morgen, und wir, wir
werden für sie bald nur noch Erinnerung sein, denn in unserem Alter
wissen wir nicht, ob wir in 5, 10, 15 Jahren oder schon morgen nur in
ihren guten und bösen Erinnerungen existieren werden. Wir glauben
daran, das es ein grosser Schatz ist, den wir pflegen und bewahren
dürfen, denn sie erwarten von uns, dass wir das Gedächtnis ihres Lebens
seien. Kinder haben eine ausserordentliche und einzigartige Fähigkeit,
die richtigen Fragen zu stellen, Fragen, die wir Alten schlecht oder
überhaupt nicht mehr stellen. Kinder wollen wissen und lernen. Durch
unsere Augen, unsere Ohren und unsere Worte sind wir bestimmt die
wichtigsten lebendigen Lehrbücher, die sie in ihrem Leben haben werden.
Wenn ich die Augen schliesse, sehe ich mich noch als vierjähriger Bub,
lange Stunden auf den Knien meines Grossvaters sitzend, und er erklärte
mir die Geheimnisse der Natur. Auch meinen ersten Bienenstich erlitt
ich auf den Knien meines Grossvaters.
Die Juden, Vorväter unseres Glaubens, haben diese Wahrheit schon lange
begriffen. An jedem Sabbat sehe ich meinen kleinen Nachbarn in unserer
Strasse seinem Vater gegenüber sitzen, und dieser liest die Gebete und
die Geschichten seiner Vorfahren, des Volkes Israel. Der Kleine stellt
alle möglichen und unmöglichen Fragen, die ein Bub seines Alters hat,
und der Vater muss jede davon beantworten, ob sie klug sei oder nicht.
«Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder... » hat schon Jesus gesagt.
Ich glaube fest daran, und muss es immer wiederholen: Auch die
religiöse Entwicklung Ihrer Kinder und Enkel hängt in aller erster Line
von Ihnen ab, den Eltern und Grosseltern. Die Schule ist gut und
wichtig, um Lesen und Schreiben zu lernen, etwas über die Kultur die
uns umgibt zu lernen, Aber Ihre ureigene Geschichte, die Sie zu dem
werden liess, was Sie heute sind, auf Ihrer Farm, in Ihrem neuen Land,
das sind nur Sie allein, die dieses Lebensbuch geschrieben haben. Und
für mich ist es genau so wichtig wie die Bücher, die in den Schulen
gelesen werden, denn Sie sind der Autor oder die Autorin Ihres eigenen
Lebensbuches.
Die geistliche und religiöse Dimension Ihres Lebens ist ja auch in
Ihrer Kindheit geformt worden durch die Welt, die Sie damals umgeben
hat. Gott ist zuerst derjenige, der Ihnen von Ihren Eltern und
Grosseltern überliefert worden ist. Aber ich wende mich jetzt vor allem
an die Grosseltern unter Ihnen: Mehrere Personen haben mir anvertraut,
dass ihre eigene geistliche Entwicklung von den Grosseltern in der
Kindheit geweckt worden sei. Deshalb lade ich Sie alle ganz herzlich
ein: Machen sie Ihren Enkelkindern ein Geschenk und nehmen Sie sie mit
in die Kirche zur Weihnachtsfeier. Wir bereiten ein ganz besonderes
Fest vor, wo die Kinder auch in der Sprache ihrer Eltern zuhören, beten
und singen dürfen.
Auf bald also! Es kommt nun eine besondere Zeit, mit ihren Liedern, ihrer Musik und ihren einzigartigen Worten.
Jean Porret
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