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September 2005
Aber die Stunde kommt, ja sie ist schon
gekommen, da wird der Heilige Geist, der Gottes Wahrheit enthüllt, Menschen
befähigen, den Vater an jedem Ort anzubeten. Gott ist ganz anders als diese
Welt, er ist machtvoller Geist, und alle, die ihn anbeten wollen, müssen vom
Geist der Wahrheit erfüllt sein. Von solchen Menschen will der Vater angebetet werden.
(Johannes
4, 23-24)
Jesus diskutiert mit einer Samariterin über den
Glauben. Im Laufe ihres Gespräches kommen sie auf die Differenzen zwischen
Samaritern und Juden, was den Ort anbelangt, an dem man Gott anbeten solle. Die
Samariter weigerten sich, Jerusalem als den einzigen Ort der Gottesanbetung
anzuerkennen. Sie feierten ihren Gottesdienst lieber in ihren Heiligtümern, in
denen schon ihre Vorfahren angebetet hatten, lange bevor der Tempel in
Jerusalem existierte.
Vom Standpunkt der Samariter aus ist es ein
Unsinn, dass es nur einen einzigen Tempel geben soll, in dem man Gott anbeten
kann, und dass dies nicht bei ihnen ist. Und von Jesu Standpunkt aus ist die
Frage nach dem Tempel oder nach Tempeln überhaupt ganz und gar überholt. Die
Samariterin wird sich schnell klar, dass sein Standpunkt weit über allen
religiösen Streitereien liegt. Es ist die Sichtweise Gottes. Der Mann, mit dem
sie hier spricht, kann niemand anderes als der Messias sein!
Wo man Gott anbeten solle, ist eine Frage, die
nicht nur die Samariterin beschäftigte. Für uns ist diese Frage vielleicht
weniger wichtig als die Frage, wie und wo man Gott heutzutage noch begegnen
könne. Doch die Antwort darauf kann nur eine spirituelle sein in einer Welt, in
der so viele Leute glauben, Gott sei ganz unbedingt auf ihrer Seite und bei
ihren Interessen, oder die Ihn überhaupt nirgends mehr sehen können. Doch
überall in den Evangelien zeigt uns Jesus Gottes Gesicht im Mitmenschen,
denjenigen, der gleich neben uns ist.
Wenn wir Gott nicht im Geheimnis unseres Nächsten
erkennen können, so ist es für uns schwierig, zu sehen, dass Gott noch handelt
in dieser Welt. Wenn wir all das Leid in unserer Gesellschaft sehen: hohe
Suizidrate bei den Jungen, Gewalt in allen möglichen Formen, gegen Frauen, Kinder,
Minderheiten… wir sehen nur die Schwierigkeit der Menschheit, in Frieden
miteinander zu leben. Hass und Misstrauen sind riesige Zündstoffe für soziale
Missstände. Doch Gott ist genau da, inmitten unserer Probleme. Er möchte uns
einladen, unsere Einstellung dem Mitmenschen gegenüber zu ändern. Es geht hier
nicht mehr um Juden und Samariter, sondern wir selbst, jedes von uns mit
unserer Art, Probleme zu lösen oder auch nicht. Gott ist nicht in einem Tempel,
er ist mitten unter uns, weil sein Platz an unserer Seite ist.
Christus erinnert uns daran, dass Gott keinen
Tempel oder einen besonderen Ort braucht, um uns in seinen guten Plan für diese
Welt einzubeziehen. Was Gott aber nötig hat, sind Menschen, die sich aus ihren
kleinen täglichen Routinen reissen lassen für ihn. So kam die Samariterin zum
Brunnen um ihr tägliches Wasser zu holen, als sie sich von Christus überraschen
und aufrütteln liess.
Die Frau tat aber weit mehr, sie ging und sprach
zu allen Leuten von dieser Begegnung. Nicht jeden Tag durfte eine Frau wie sie
dem Messias persönlich begegnen. Nicht jeden Tag haben wir die Chance, dass
Christus uns aus unserem Alltag herausruft, ohne dass wir es kommen sahen. Doch
die Geschichte der Samariterin ist nicht einzigartig, denn sie kann auch zu der
unseren werden
Pierre-Paul Lafond
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Pause
Eine ziemlich lange Pause ist entstanden in der Publikation des
Gemeindebriefes, und dies aus verschiedenen Gründen, vor allem wegen
Zeitmangels der Webmasterin. Dies soll nun aber wieder besser werden.
Ich hoffe auf Verständnis.
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Dialog mit den Jungen
Ich habe lange darüber nachgedacht, was ich für "La Lettre" schreiben
könnte. Es sollte angemessen, aber auch ehrlich sein. Das ist ein wenig
schwierig, denn jeder weiss, was für ein heikles Thema die Religion
heute ist. Man hört mehr über Religionskriege reden als über die
Religion an sich. In unseren Sekundarschulen werden im Rahmen der neuen
Reform alle Religionsstunden gestrichen. In unseren Geschichtslektionen
hören wir, wie sehr der Klerus das Volk manipulierte, und das vor nicht
einmal fünfzig Jahren, und die naturwissenschaftlichen Fächer zeigen
uns, dass die biblischen Theorien nicht zu beweisen sind.
Und bei all dem verwundern sich die Leute, dass die Jungen heutzutage
nicht mehr gläubig sind. Sind Sie wirklich so erstaunt darüber?
Wenn ich um mich schaue, sehe ich eine Provinz, ein Land, in dem die
Suizidrate eine der höchsten der Welt ist, ich sehe einen Haufen junge
Menschen, die verzweifelt, haltlos und ohne jegliche grundlegende
Lebenswerte sind. Ich sehe Leute, die an überhaupt nichts mehr glauben
können, so sehr scheint unsere Gesellschaft verlogen zu sein. Ich sehe
sie, Sie sehen sie. Warum hängen sich diese Menschen denn nicht mehr an
die Religion, die doch die Liebe, die Hoffnung und die Vergebung
verkünden sollte? Warum leeren sich die Kirchen, warum interessiert das
niemanden mehr?
Jedermann kann den grossen Graben zwischen den Generationen bemerken,
zwischen der meinen und der meiner Eltern, nach meiner Meinung
einer der tiefsten und drastischsten der Geschichte. Ja, die Zeiten
haben sich verändert, unsere Generation ist anders uns findet sich
nicht mehr in den "alten" Werten. Nicht dass diese schlecht oder
sinnlos wären, sie haben einfach keine Bedeutung mehr in der kalten,
rationellen und technisierten Welt, in der wir heute leben.
Ich glaube nicht, dass die Religion schlecht oder wertlos sei. Aber die
Art, in der sie uns gezeigt wird, erreicht die Jungen einfach nicht
mehr. Der Grund muss der selbe bleiben, aber die Form muss sich ändern.
Die Kirche hätte nicht 2000 Jahre überleben können, wenn sie nutzlos
und sinnlos wäre, aber ich glaube, dass für die kommenden Generationen
ein Weg gefunden werden muss, der zeigt, dass die Kirche nicht überholt
und unzeitgemäss ist, muss eine moderne Art gefunden werden, welche die
modernen Jungen interessieren kann.
Schliesslich ist für mich klar, dass jeder von uns glaubt, glauben will
und glauben muss. Nur müssen wir alle einen Weg finden, diesen Glauben
konkret werden zu lassen.
Romy Schlegel
Liebe Romy,
nun habe ich Deinen Text übersetzt und möchte meinerseits ein paar
Gedanken dazu teilen. Zuallererst: Ein ganz herzliches Dankeschön für
diesen offenen und realistischen Zeilen. Sie haben Erinnerungen in mir
geweckt: Vor vielleicht fünfundzwanzig, dreissig Jahren hätte ich ganz
ähnliches schreiben können. Auch ich empfand den Graben zwischen den
Generationen, empfand die Kirche manchmal als unzeitgemäss, unmodern...
Auch damals sah ich, dass die Werte der älteren Generationen ins Wanken
kamen, für uns andere Gesichter bekamen und manchmal auch hinweggefegt
wurden. Und "die Kirche" schien nicht mithalten zu können.
Und dann kam eine Zeit, in der ich darüber nachdachte, wer oder was
"die Kirche" eigentlich sei. Dabei wurde mir bewusst, dass die
wirkliche Kirche nicht eine verstaubte, sterbende Institution sein
könne, sondern Kirche - das sind die Menschen, die sich dazu zählen
möchten, die Menschen, die gemeinsam einen Weg suchen, "ihren Glauben
konkret werden zu lassen" wie Du so treffend in Deinem Schlusssatz
schreibst. Kirche - das bin ich, das bist Du, das sind wir alle.
Und deshalb liegt es an uns, ihr das Gesicht zu geben, zu dem wir
stehen können. Der Grund ist gelegt und bleibt der selbe: Jesus
Christus. Aber die Form, das Gebäude auf diesem festen und
verlässlichen Grund, das darf sich verändern und ständig erneuern. Und
dazu braucht es alle: Euch Junge mir Euern kritischen Fragen, Euerm
Enthusiasmus und Euerm Veränderungswillen, die "mittlere" Generation
mit ihrer Schaffenskraft, ihren Beziehungen und oft auch den
materiellen Möglichkeiten, und die Älteren mit ihrer Lebenserfahrung,
ihrer Weisheit und ihrem Wissen um Überliefertes. Auf diese Art können
wir alle gemeinsam an einer Kirche bauen, die immer wieder
"reformiert", erneuert wird. Und vielleicht kann eine solche Kirche
gerade jungen Menschen in einer verwirrenden Zeit Wegweiser und
Halt geben. Ich wünsche uns allen Gottes Segen dazu.
Franziska Santschi-Geiser
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Ostern, das Fest unserer Befreiung
Jesus ist in unsere Welt gekommen, um uns die Befreiung zu verkünden.
In den Evangelien lesen wir von vielen Menschen, die zu ihm gekommen
sind und die er von allen möglichen körperlichen oder seelischen Leiden
befreit hat: Blinde, Aussätzige und Sünder aller Art kamen zu ihm, als
ihre letzte Hoffnung auf Hilfe, und sie wurden alle frei. Jesus wollte
die Mauern, die einzelne Menschen von den andern isolierten,
niederreissen. Ungeachtet der Gründe, die angeführt wurden, um diese
Mauern zu erhalten -Schutz vor den Krankheiten oder üblem Verhalten -
diese Mauern hatten keine Daseinsberechtigung, denn liessen die
Verstossenen der Gesellschaft in ihrer Verzweiflung eingesperrt,
anstatt ihnen die Hoffnung zu zeigen, so wie es Jesus immer wieder zu
tun versuchte.
Deshalb konnte Jesus auch nicht in den Klauen des Todes bleiben. Diese
letzte Mauer, welche die Lebenden von den Toten scheidet, musste
weggeschafft werden, denn Gott wollte nicht den Tod das letzte Wort
haben lassen über den, der das Leben überall auf seinem Weg aufblühen
liess.
Jesus hatte in seinem Leben öfters Mauern erfahren. Er wurde weit weg
von den Mauern Jerusalems geboren. Hingerichtet wurde er ausserhalb der
Stadtmauer, und ausserhalb der Stadtmauern zeigte er sich lebendig den
beiden Jüngern auf dem Weg nach Emmaus. Und schliesslich lädt er seine
Jünger ein, ihn ausserhalb der Mauern der Stadt in Galiläa wieder zu
finden.
Durch seine Auferstehung am Ostertag hat Jesus im die Mauer des Todes
eine Bresche geschlagen, welche sich nie mehr schliessen wird. Die
Mauer, die Leben und Tod trennt, wurde abgetragen, denn sie ist nutzlos
geworden.
Wie oft schon haben wir Mauern aufgebaut zwischen uns und den andern.
Und anstatt uns zu schützen, haben diese Mauern uns gefangen gehalten
in unseren Ängsten, unserer Unsicherheit und unserer Mutlosigkeit. Die
Auferstehung bedeutet das Sprengen der Grenzen unserer
Eingeschlossenheit, und die Öffnung auf ein viel intensiveres,
unbeengteres Leben, das uns Christus verspricht.
Aus dieser Sicht sollten alle Kirchen Zeichen der Befreiung sein für
die Menschen, die vom Leben eingesperrt werden: Flüchtlinge, Gefangene,
Kranke und von der Gesellschaft aus andern Gründen Ausgeschlossene. Die
Gute Nachricht ist gerade für diese.
Ostern ist der Ausbruch aus unsern Gräbern
Ostern ist der Sieg des Lebens über die Verzweiflung und den Tod.
Frohe Ostern!
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Kommen Sie in den Gottesdienst, es wird Ihnen gut tun!
Der erste
Sonntag dieses Jahr hat nicht gut angefangen. Am Vorabend teilt mir
unser
bewährter Organist mit, dass er leider nicht da sein könne. Und weil
ein
Unglück selten allein kommt, fehlen auch unsere unentbehrlichen
Gesangbücher,
als wir den Gottesdienst beginnen wollen. Unsere Sonntagsfeier fängt
also
schlecht an, zwei wichtige Unterstützungen für eine frohe und
wohltuende
Andacht sind nicht da. Immerhin habe ich die Musik auf Band aufgenommen
und
mitgebracht. Und im Eingangsgebet heisst es dann, dass da, wo zwei oder
drei im
Namen Jesu versammelt sind, Christus mitten unter ihnen ist. Das wird
gesprochen und gespürt.Der Gottesdienst nimmt
seinen Lauf, die Predigt handelt von unserem Verhältnis zur Schöpfung
und den
Katastrophen, dem Tsunami zum Beispiel. Wort und Musik helfen uns, zu
hören,
was Gott uns auch heute noch sagen will. Es scheint klar zu sein, dass
wir
nicht Gott die „Schuld“ an diesen Naturkatastrophen zuschieben können,
aber als
glaubende Menschen dürfen wir lernen, darüber nachzudenken, was Gott
bedeutet,
wenn in einer nie gesehenen Welle der Hilfsbereitschaft hunderte von
Millionen
Menschen grosszügige, solidarische Gesten
tun. Im Übrigen sieht man auch klar, dass in der westlichen Welt die
Hilfswerke der christlichen Kirchen eine wichtige Rolle übernehmen.
Bereits am
Tag nach der Katastrophe hat die Église Unie ihre Hilfe angekündigt und
wurde
Partnerorganisation der kanadischen Regierung. Haben Sie die vielen
Bilder und Photos bemerkt, auf denen man Gläubige verschiedenster
Religionen
sah, die beten oder in Andacht
versunken sind, wie es auch der Stadtpräsident von Montréal gewünscht
hat. Das
erinnerte mich – in einem geringeren Ausmass – an die Schiesserei bei
der am
Polytechnikum 14 junge Frauen brutal getötet wurden. In solchen
Situationen ist
es sehr heilsam und wirkungsvoll, zum Beispiel eine Kantate von Bach in
einer
Kirche zu singen. Ich kann sagen, dass für diese Menschen die Musik
wirksamer
war als viele Worte. Doch kommen wir auf
unseren ersten Gottesdienst des Jahres in der Église St-Georges in
Drummondville zurück. Im Gebet und in unseren Gedanken sind wir an der
Seite unserer Brüdern und Schwestern,
die vom Unglück getroffen oder als Helfer engagiert sind. Am Ende der
Feier
lasse ich die Musik sprechen und lasse den Schluss des 5. Konzertes von
Mozart
laufen. Und zu meinem grossen Erstaunen bleiben die
Gottesdienstbesucher sitzen
und hören still während mehr als zwanzig Minuten der Musik zu. Nach
diesem
langen, für mich sehr intensiven Moment wage ich es, einer Teilnehmerin
die
Frage zu stellen, und sie antwortet ohne Zögern: Es ist so selten, dass
wir
einen Moment Zeit zum Meditieren haben!Ich freue mich auf Ihre
KommentareJean Porret
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Februar 2005
«Und er ordnete zwölf, dass sie bei ihm sein sollten und dass er sie
aussendete, zu predigen und dass sie Vollmacht hätten, die bösen
Geister auszutreiben.» (Markus 3, 14-15)
In den Evangelien sehen wir immer wieder, dass Jesus im Herzen des
Geschehens ist. Doch von Beginn seiner Mission an wollte er nicht alles
selber machen. Er hatte ein Gruppe von zwölf Jüngern gebildet und er
schickte sie in die Dörfer von Galiläa, denn er konnte ja nicht überall
zugleich sein, das hatte er schnell begriffen. Man kann sich
vorstellen, das dieser Auftrag den Zwölfen nicht so sehr gelegen kam.
Sie hätten doch so viel profitieren können im täglichen Zusammensein
mit Jesus... Dass sie in die Mission geschickt wurden, weckte in ihnen
vielleicht das Gefühl, etwas Wichtiges zu verpassen. Und doch gingen
sie nicht mittellos. Sie hatten vieles zu teilen und mitzuteilen: Jesu
Worte, seine Weisheit, sein Ruf zur Umkehr und seine Gaben, die das
Reich Gottes sichtbar werden lassen. Würden die Zwölf bereit sein,
den Auftrag Christi voll zu übernehmen, wenn die Zeit dazu kommen
würde? Wenn man das Neue Testament liest, zweifelt man manchmal daran.
Die Zwölf mussten nach und nach ihre Verantwortung übernehmen, ohne
sich verlassen zu fühlen am Tag, an dem Christus nicht mehr sichtbar
unter ihnen weilte. Sie würden in der ganzen Welt die Gute Nachricht
verkünden. Nun ist es an uns, diese Verantwortung zu übernehmen, wie
die Jünger. Manchmal sagen wir uns, dass uns einiges fehlt um Christus
nachzufolgen, wie die Zwölf es taten. Wir fragen uns sogar, ob wir je
dafür bereit sein würden. Wir brauchen Momente des Auftankens, aber wir
müssen auch handeln, so wie Christus uns ruft. So verstehen wir die
Situation der Zwölf besser, verstehen, dass sie sich nicht unbedingt
bereit fühlten für ihren Auftrag. Ich stelle mir vor, dass sie nicht
ganz klar sahen, wie ihr Auftrag aussehen sollte, auch wenn sie Zeichen
und Wunder erlebten in der Ausführung ihrer Aufgabe. Christus
nachzufolgen bedeutet nicht, dass wir eine passive Rolle übernehmen.
Wir sind aufgerufen, uns zu verändern, und damit auch die Menschen um
uns herum, damit wir alle das kommende Gottesreich erkennen und
empfangen können. Wir dürfen ihm nachfolgen, nicht als willenlose
Wesen, sondern im Gegenteil, wir sind in Seine Nachfolge gestellt mit
allen Begabungen und der Persönlichkeit, die uns geschenkt ist. Manchmal
haben wir den Eindruck, dass die Christen sich nicht immer ihrer
Verantwortung der Welt gegenüber bewusst sind, aber die Grosszügigkeit
der Christen für die Opfer des Tsunami hat auch das Gegenteil gezeigt
(auch wenn die Christen nicht die Einzigen waren, die halfen.) Wir sind
nicht nur passive Zuschauer der Ereignisse in der Welt, das Evangelium
ruft uns auf, zu handeln..Pierre-Paul Lafond
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Anker, ein besonderer Maler
Albert Anker lebte in Ins, im Seeland, 30 km von Neuenburg entfernt. Meine Eltern besuchten fast jedes Jahr die Ausstellung in diesem Dorf. Wenn sie von dort zurückkamen, sagten sie jedes Mal das Gleiche. Sie waren erstaunt und verwundert, dass ein Maler aus dem vorderen Jahrhundert so gut malte. Es war für sie, als ob es doch eine "heile Welt", ein ideales Leben geben könnte. Man könne sagen, dass die Menschen auf den Bildern gleich mit uns reden würden, und dass die Kinder, die Anker mit soviel Liebe malte, unsere Cousins von gegenüber seien. Diese Maler ist so bekannt und beliebt, dass man am liebsten sein Nachbar wäre, um ihn jeden Tag grüssen zu können. Und doch sprachen meine Eltern kein Deutsch, lebten nicht im Seeland und wir waren im zwanzigsten Jahrhundert.
Dieser Maler hatte die Begabung, ganz gewöhnliche Menschen so zu sehen, dass sie durch ihre Intensität, in der er sie uns zeigt, etwas ganz Besonderes werden. Sie haben ihre eigene Schönheit und man würde am Liebsten so wie sie werden. Und wenn Anker in der Natur malt, so hat man den Eindruck, er lade uns zur Weinlese ein.
Doch unser "Nationalmaler" hat auch eine sehr interessante Lebensgeschichte. Wenn man auch fast in jeder Küche der Schweizer Einwandererfamilien Bilder von ihm sieht, oder doch spürt, wie beliebt er ist, so ist doch sein persönlicher Werdegang weniger bekannt. Er lebte zwischen Paris und Anet und war bei den grossen Malern der französischen Hauptstadt, Künstlern wie Van Gogh und Renoir, zu seiner Zeit sehr beliebt und geschätzt. Mehrere grosse Gemälde seiner Heimat hat er in Paris gemacht, und sogar bei Napoleon hing eines davon. Daneben engagierte er sich für verschiedene Anliegen, wie die aufkommende obligatorische Schule für alle Kinder, die Politik der Demokratie und die soziale Hilfe für die Armen. Mehrer seiner Bilder zeigen Szenen mit den protestantischen Diakonissen von Bern.
Und schliesslich ist zu sagen, dass Anker ein überzeugter und bekennender Christ war. In seinen jungen Jahren hatte er Theologie studiert und wollte eigentlich Pfarrer werden. Doch wenn man seine Werke sieht, liest man darin auch die Gute Nachricht von der Gnade Gottes. Seine Malerei drückt auch seinen Glauben aus. So war seine wirkliche Berufung seine Kunst. Aber er hat mehrere Pfarrer unter seinen engeren Freunden und er ist aktiv im Kirchgemeinderat seines Dorfes.
Dieser so bekannte und beliebte Schweizer Maler verdient also eine besondere Aufmerksamkeit und eine vertiefte Kenntnis. Er ist einer der grossen Meister unserer Heimat, der unsere Erinnerung und unsere Verwurzelung nährt. Und doch ist seine Kunst noch immer aktuell und gegenwärtig, durch die darin gezeigten Themen, Lebensqualität und Grundvertrauen.
An Interessierte: Am Dienstag, den 8. Februar um 13 Uhr findet ein Vortrag über Anker statt, und zwar im "Madrid", Ausfahrt 202 der Autobahn 20.
Mehr darüber: Albert Anker - der Website
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