* themen
Mit den Jungen
Gebete und Gedichte
Bekanntmachungen
Der Pfarrbrief
Diverse Texte
* Links
La Lettre auf französisch
Gemeinde Bedford/Acton Vale
United Church of Canada (englisch)
Église Unie du Canada (französisch)
Gemeinde Drummondville/Mauricie
|
Ihre Kinder sind Ihr lebendiges Erbe, geben Sie ihnen das schönste Geschenk: Sie selbst.
Eines ist fünf Monate, das andere drei Jahre alt. Jedes Mal, wenn meine
Frau oder ich sie anschauen, sehen wir, dass sie kein Wort unseres
Gespräches verpassen wollen, auch wenn sie längst nicht alles
verstehen. Beim älteren sind es mindestens vierzig Mal pro Stunde die
ähnlichen Fragen: «Warum? » oder so ähnlich. Die Kleine folgt
aufmerksam unseren Blicken, unseren Augen, um Neues zu sehen und zu
hören. Es ist immer wieder das Selbe. Sie werden begriffen haben, es
geht um unsere beiden Enkelkinder. Ein neuer Schatz, und wir sind die
neue Grosselterngeneration, und wir sind so glücklich, Enkel zu haben.
Diese sind ja die zukünftigen Erwachsenen von morgen, und wir, wir
werden für sie bald nur noch Erinnerung sein, denn in unserem Alter
wissen wir nicht, ob wir in 5, 10, 15 Jahren oder schon morgen nur in
ihren guten und bösen Erinnerungen existieren werden. Wir glauben
daran, das es ein grosser Schatz ist, den wir pflegen und bewahren
dürfen, denn sie erwarten von uns, dass wir das Gedächtnis ihres Lebens
seien. Kinder haben eine ausserordentliche und einzigartige Fähigkeit,
die richtigen Fragen zu stellen, Fragen, die wir Alten schlecht oder
überhaupt nicht mehr stellen. Kinder wollen wissen und lernen. Durch
unsere Augen, unsere Ohren und unsere Worte sind wir bestimmt die
wichtigsten lebendigen Lehrbücher, die sie in ihrem Leben haben werden.
Wenn ich die Augen schliesse, sehe ich mich noch als vierjähriger Bub,
lange Stunden auf den Knien meines Grossvaters sitzend, und er erklärte
mir die Geheimnisse der Natur. Auch meinen ersten Bienenstich erlitt
ich auf den Knien meines Grossvaters.
Die Juden, Vorväter unseres Glaubens, haben diese Wahrheit schon lange
begriffen. An jedem Sabbat sehe ich meinen kleinen Nachbarn in unserer
Strasse seinem Vater gegenüber sitzen, und dieser liest die Gebete und
die Geschichten seiner Vorfahren, des Volkes Israel. Der Kleine stellt
alle möglichen und unmöglichen Fragen, die ein Bub seines Alters hat,
und der Vater muss jede davon beantworten, ob sie klug sei oder nicht.
«Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder... » hat schon Jesus gesagt.
Ich glaube fest daran, und muss es immer wiederholen: Auch die
religiöse Entwicklung Ihrer Kinder und Enkel hängt in aller erster Line
von Ihnen ab, den Eltern und Grosseltern. Die Schule ist gut und
wichtig, um Lesen und Schreiben zu lernen, etwas über die Kultur die
uns umgibt zu lernen, Aber Ihre ureigene Geschichte, die Sie zu dem
werden liess, was Sie heute sind, auf Ihrer Farm, in Ihrem neuen Land,
das sind nur Sie allein, die dieses Lebensbuch geschrieben haben. Und
für mich ist es genau so wichtig wie die Bücher, die in den Schulen
gelesen werden, denn Sie sind der Autor oder die Autorin Ihres eigenen
Lebensbuches.
Die geistliche und religiöse Dimension Ihres Lebens ist ja auch in
Ihrer Kindheit geformt worden durch die Welt, die Sie damals umgeben
hat. Gott ist zuerst derjenige, der Ihnen von Ihren Eltern und
Grosseltern überliefert worden ist. Aber ich wende mich jetzt vor allem
an die Grosseltern unter Ihnen: Mehrere Personen haben mir anvertraut,
dass ihre eigene geistliche Entwicklung von den Grosseltern in der
Kindheit geweckt worden sei. Deshalb lade ich Sie alle ganz herzlich
ein: Machen sie Ihren Enkelkindern ein Geschenk und nehmen Sie sie mit
in die Kirche zur Weihnachtsfeier. Wir bereiten ein ganz besonderes
Fest vor, wo die Kinder auch in der Sprache ihrer Eltern zuhören, beten
und singen dürfen.
Auf bald also! Es kommt nun eine besondere Zeit, mit ihren Liedern, ihrer Musik und ihren einzigartigen Worten.
Jean Porret
|
|
|
Machen Sie sich eine Freude und bringen Sie Ihre Kinder und Grosskinder zur Weihnachtsfeier mit.
Wir reden, singen und hören zu, auch in der Sprache der Eltern, Grosseltern,
Ihrer Familie.
·
Eine einzigartige Gelegenheit, andern zu begegnen, welche die selbe
Herkunft und die selben Interessen haben.
·
Eine Weihnachtsfeier, die nicht wie jede andere ist.
·
Eine besondere Art, Jesus zu begegnen und ihn aufzunehmen.
Komm, schau, hör zu und sing mit. Es wird Dir gefallen!
Wo? Église St-Georges.
276 Hériot Drummondville
Wann? Sonntag, 18. Dez. 11h30
Anschliessend Imbiss
Info; jeanporret@videotron.ca Tél. 819-845-4012/514-737-4168
|
|
|
Weihnachten – ein Fest mit Tradition
Es hat etwas für jeden Geschmack und jeden Preis in diesem Fest. Aber
um es mit dem Kleinen Prinzen von Saint-Exupéry zu sagen: «Das
Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. » Um den tiefsten Sinn von
Weihnachten wiederzufinden, muss man über eine ganze Reihe von
Traditionen hinausgehen, Traditionen, die im Laufe der Zeit mit dem
Weihnachtsfest verbunden wurden.
Zuerst einmal ist zu sagen, dass ursprünglich in der Bibel kein Datum
für dieses Fest angegeben ist. Aber man hatte mehr und mehr das
Bedürfnis, Christi Geburt zu feiern. Doch erst nach einigen
Generationen des Christentums stellte man sich die Frage: Es gab kein
bestimmtes Datum, was sollte man also tun? Es gab ein sehr beliebtes
römisches Fest zur Zeit der Anfänge des Christentums: Das Fest der
Unbesiegten Sonne, der Wintersonnwende, welches am 25. Dezember
gefeiert wurde.
Das Christentum, das damals voll im Aufblühen war, wählte dieses Datum,
um dem heidnischen Fest der Unbesiegten Sonne Konkurrenz zu
machen. Und mit der Christianisierung Europas geriet das heidnische
Wintersonnwendfest in Vergessenheit und das christliche Fest gewann die
Oberhand. Diese Wahl hat aber auch eine grosse symbolische Bedeutung.
Der kürzeste Tag des Jahres ist genau vor Weihnachten, und dieses Fest
bedeutet ja das neue Licht, das in diese Welt gekommen ist. Ich kann
mir vorstellen, dass diese symbolische Bedeutung dazu geführt hat, dass
sich die westlichen Christen auf dieses Datum einigen konnten. Die
orthodoxen Christen des Ostens feiern Weihnachten am 6. Januar, dem
Fest der Erscheinung, wegen verschiedener Gründe.
Wir leben in einem Land, in dem es im Winter nicht viel Licht gibt,
deshalb können wir diese weise Wahl gut verstehen. In dieser Jahreszeit
ist es verständlicher, dass Christus das Licht der Welt ist, seit er zu
uns kam. Und das Licht selbst hat eine grosse Bedeutung um dieses
Fest. Man denke an den Adventskranz oder an die Kerzen und Lichter, die
man in den Weihnachtsbaum hängt.
Haben wir nicht durch diese festliche Stimmung, die überall ein wenig
aufkommt, einen Vorgeschmack dessen, was Gottes Reich sein könnte,
dieses Reich, das Jesus mit seiner Geburt schon in die Welt gebracht
hat? Der Engel hatte also Recht, wenn er „eine grosse Freude für
das ganze Volk“ angekündigt hat. Und diese grosse Freude sollten wir um
uns verbreiten.
Für viele heutige Menschen ist Weihnachten vor allem eine Gelegenheit,
sich mit Freunden und der Familie zu treffen. Aber es bleibt auch eine
Möglichkeit, sich wieder auf die christlichen Wurzeln dieses Festes zu
besinnen. Es gibt Gemälde aus der Renaissancezeit, welche die Geburt
Christi als dunkles Bild darstellen, auf dem alles Licht nicht etwa von
einem Feuer ausstrahlt, sondern vom Gesichtchen des neugeborenen
Jesuskindes. So zeigen diese Bilder, dass Er das Licht der Welt ist.
Möge Christus in Ihnen sein Licht leuchten lassen, das Weihnachtslicht eines Neubeginnes!
|
|
|
Herr, lehre uns zu wandern wie die Pinguine in der Antarktis?
Auf diesem
riesigen Archipel, fast so gross wie ganz Kanada, leben Tiere, die sich in
Jahrtausenden an diese schwierigen klimatischen Bedingungen gewöhnt haben, an
Temperaturdurchschnitte von –40°C. In den Küstengebieten ist das Meer ihr
Garten, und sie wandern über Hunderte von Kilometern, um ihr Nest zu machen.
Die Kaiserpinguine, die man im Moment auf unseren Bildschirmen von Jaquet
gefilmt sehen kann, sind erstaunliche Zeugen dieses antarktischen Lebens. Es
läuft in einem präzisen Rahmen ab, Tag für Tag, so wird gelebt und überlebt in
einer Umwelt, in der es tagelange Nächte gibt. Das Festland gibt es nicht, aber
das hindert Zehntausende von Pinguinen nicht daran, dort zu leben seit vielen Jahrtausenden.
Bravo, was für ein Überlebenswille!
Diese
Geschöpfe brauchen ein Stück eigenen Lebensraum, in dem sie als Familie die
besten Bedingungen zur Fortpflanzung schaffen können. Indem sie eine Familie
bilden, hüten Vater und Mutter abwechslungsweise das einzige Ei das sie am
Ausbrüten sind, und das während der härtesten Zeit des Jahres, im Winter. Und
genau dann schlüpfen auch die Kleinen, während die Mutter sich im Meer neue
Kräfte holt. Aber, und das ist das ausserordentlich Wunderbare, dieses kleine
Leben kann nur weitergehen, wenn die ganze Gruppe sich zusammentut, und die
neue Generation schützend umgibt. Denn die Jungen werden erst im Sommer
selbständig werden und so das weiterführen, was die Elternpaare und die ganze
Gemeinschaft begonnen haben, als sie
ein Ei legten. So kann das Leben weitergehen, auch wenn es einige Todesfälle
gibt.
Die
Pinguine haben also diesen starken Lebenswillen, dass man den Eindruck hat, man
erlebe die Geschichte Kanadas oder des Bauernstandes, wenn man diesen Überlebenskampf
sieht, der die Nachkommenschaft der Familie und der Gruppe sichert. Sogar die
Wanderungen – wie die Alpauftriebe – um Nahrung zu suchen und seine kleine Welt
zu versorgen.
Die
Geschichte der Menschheit mit Gott ist
genau dasselbe. Wir sind sesshafte Menschen, die Land, Felder und Jahreszeiten
brauchen um sich zu ernähren, aber auch wir müssen unsere angestammten Orte
verlassen, wie Abraham, der alles verlassen musste, um zu gehen, wohin Gott ihn
rief. In Abrahams Kopf waren die Pläne vielleicht nicht viel konkreter als
diejenigen unserer Pinguine, denn wir lesen im ersten Buch Mose, dass es mehr
als die Hälfte seines Lebens brauchte, bis er verstand und bis er mit Sarah ein
Kind bekam. Der Unterschied zwischen den Pinguinen und uns besteht darin, dass
wir noch Geschichten besitzen, die uns erzählen, was diese ersten «Wanderer
Gottes» begriffen haben, als sie sich aufmachten, sie wussten nur, dass sie
leben wollten und dass Gott sie gerufen hatte. Und der Lebensinstinkt war
stärker als alles. Das glaube ich auch, aber das genügt nicht, man muss sich
dessen auch bewusst sein und es den andern ermöglichen, es auch zu leben.
Unsere
Vorfahren glaubten, dass Gottes Gesetz schon in der Natur zu finden sei. Unser
Schöpfer wollte, dass wir leben. Wie schon der Psalmdichter gesungen hat: «Die
Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk.
Ein Tag sagt's dem andern, und eine Nacht tut's kund der andern, ohne Sprache
und ohne Worte; unhörbar ist ihre Stimme. Ihr Schall geht aus in alle Lande und
ihr Reden bis an die Enden der Welt.»
Jean
Porret
|
|
|
« Freuen dürfen sich alle, die Frieden schaffen; denn sie werden Gottes Kinder sein » Matthäus 5,9
Einige werden vielleicht sagen, dass dies eine
eigenartige Wahl des Themas für das Erntedankfest sei. Frieden schaffen ist
eine aktive Tat, und es bedeutet, dass Friede nicht einfach so entsteht, ohne
dass jemand etwas dazu tut. Doch manchmal geschieht es unerwartet, in
schwierigen Momenten. Wir sind uns alle darin einig, dass unsere Welt Frieden
bitter nötig hätte. Aber stellt euch
einmal vor, wenn kein Mensch mehr an die Möglichkeit des Friedens glauben
würde, so wäre diese Welt noch viel
schlimmer dran... Deshalb möchte ich Gott danken für all die Menschen, die den
Frieden um sich zu schaffen suchen. Die aktuellen Nachrichten zeigen uns, wie
schwierig der Friede zu finden ist: Im Irak, zwischen Palästinensern und
Israelis, zwischen Tschetschenen und Russen, im Darfour und an vielen andern
Orten. Wie kann man noch an einen möglichen Frieden glauben, wenn überall
soviel Gewalt regiert?
Zu oft verwechselt man den Frieden mit dem
blossen Schweigen der Waffen, oft mit
Gewalt erzwungen oder durch die Erschöpfung der kämpfenden Parteien entstanden.
Man vergisst allzu leicht, dass wirklicher Friede nur entsteht, wo das Gespräch
zwischen den Parteien möglich und die Gerechtigkeit angestrebt wird. Man gibt
sich zu oft mit einem Waffenstillstandsvertrag zufrieden und verschiebt die
Bedingungen für einen dauerhaften Frieden auf später. Das ist die Erfahrung
unserer Welt in zu vielen Kriegen, trotz aller Vermittlungsversuche. Und doch –
der Friede ist nicht unmöglich. Man muss zwar einsehen, dass er oft wacklig und
zerbrechlich ist, und diejenigen, die ihm am allermeisten herbeisehnen, haben
kaum Gelegenheit, zu Wort au kommen. Doch der Friede ist möglich... Man kann
das seit über zwanzig Jahren zwischen Frankreich und Deutschland sehen und
sogar in Nordirland. Die Zeitungen schreiben nicht viel darüber, auch wenn das
wichtig wäre.
Friede ist nicht nur schwierig zwischen
den Nationen, sondern auch zwischen einzelnen Menschen. In vielen
Lebenssituationen ist der Friede das, was am schwierigsten zu finden ist, ich
denke vor allem in Momenten der tiefen Trauer. Der auferstandene Christus
erschien seinen verwirrten und traurigen Jüngern und grüsste sie mit den
Worten: «Friede sei mit euch!» (Johannes 20, 19.) Die Jünger hatten diesen
Frieden so sehr nötig, denn sie meinten, dass mit Jesu Tod nun alles zu Ende
sei... vor allem die Hoffnung. In solchen Momenten ist der Friede schwierig zu
finden in sich selbst. Und man wünscht sich, von friedlichen Leuten umgeben zu
sein in dieser Situation, weil der Friede so kostbar ist und wir ihn überall
suchen möchten.
Wenn wir mitten in unseren Schwierigkeiten
ein paar Augenblicke Frieden empfinden dürfen, so ist das ein wahrer Segen. Und
wir dürfen Gott dafür von Herzen danken. Das nimmt uns die Schwierigkeiten
nicht weg, aber es macht sie erträglicher, wie ein kühler Luftzug an einem
heissen Sommertag.
Gott für alles, was er uns zukommen lässt,
zu danken, ist eine Quelle inneren
Friedens. In unserem Leben können wir nicht alles kontrollieren: Das Wetter, zu
viel Regen oder Sonne, Krankheiten und Unfälle, Streit und Trennungen. Wir
dürfen uns für alles Gott anvertrauen, ihn um seinen Frieden bitten und um das,
was er in uns wachsen lassen kann: Geduld, Durchhaltevermögen, die Fähigkeit,
sich zu helfen wissen et vor allem andern die Hoffnung, die wir in ihn setzen.
Pierre-Paul Lafond
|
|
|
Öffnen Sie Ihr Buch am richtigen Ende, das Lesen fällt so leichter!
Jeder kann ein Buch zu lesen anfangen wie er will. Einige beginnen
zuhinterst, lesen die Kapitelüberschriften und gehen dann zu den
Stellen, die ihnen zusagen. Andere beginnen am Anfang, mit dem Vorwort,
weil sie sich sagen, dass ihnen dies die Lust gebe, das ganze Buch zu
lesen - oder auch nicht. Noch andere lesen ein wenig hier und ein wenig
dort, um sich schliesslich im Buch zu versenken, weil es sie
interessiert. Um aufrichtig zu sein, ich gehöre manchmal zu den einen
und manchmal zu den andern, aber ich lese gerne etwas, das mir gut tut
und mit etwas bringt, und in dem ich mich wiedererkennen kann. Durch
meine regelmässigen Besuche bei Ihnen habe ich Sie besser kennen
gelernt. Mir ist aufgefallen, dass in jeder Familie, wie auch bei mir,
Zeitungen aus ihrer Herkunftsgegend zu finden sind. Sicher auch die
unentbehrliche "Terre de chez nous" von hier, aber auch immer wieder
Zeitungen aus der Schweiz. Diese Erinnerung an das Herkunftsland ist
interessant. Der Emmentalerbote, der Aargauer Anzeiger, das
Appenzellerblatt und natürlich auch die Schweizer Illustrierte. Ich
stelle mir vor, das sie darin Ihre bevorzugten Rubriken finden und dass
dies Ihnen gut tut. Da bin ich gleich wie Sie, ich habe drei
europäische Zeitungen. Wir lesen, was uns gut tut und uns seelisch
nährt. Wenn ich jedoch vom persönlichen Lesen den Bibel spreche, so
habe ich den Eindruck, dass wir in eine andere Tonart verfallen, und
recht schnell gehen sie in die Defensive, als ob dies nicht ein Buch
wie die andern sei. Eines, das man zuerst erklären muss. Und
Sie weisen auf die Übertreibungen des allzu wörtlichen oder
fundamentalistischen Bibellesens hin, oder sie beginnen mit dem Ende,
als ob die Apokalypse, die Offenbarung alle Lösungen für Ihr
persönliches Leben oder für unsere Gesellschaft geben könnte. Offenbar
haben Sie oft Mühe, den Schlüssel und das Niveau zu finden, um dieses
Buch richtig lesen zu können, als ob es eine Spezialbrille brauchen
würde dazu. Deshalb bleibt sie im Regal stehen. Ich kann das verstehen,
und zum Teil haben Sie sogar Recht. Aber wir müssen weiter sehen. Warum
noch immer die Bibel lesen? Als Erstes: Die Bibel ist wie jedes
andere Buch, man muss sie sich vertraut machen, oder genauer gesagt,
sie macht sich Ihnen vertraut. Sie wird persönlich und nah, wenn sie
Ihr Leben und Ihre Suche nach dessen Sinn anspricht. Wenn wir sie nicht
so sehen können, ist sie höchstens ein "Zauberbuch" oder ein
Kindermärchen. Eine Geschichte, nicht anderes als alle andern. Bestimmt
ist sie interessant, aber auch kompliziert, denn sie stammt aus einer
andern Kultur und anderen Zeiten, die sehr verschieden von den unseren
waren. Diese Tatsachen verwirren und erst einmal. Dann muss auch
gesagt sein, dass sie Menschenwort ist, so wie alle Zeugnisse der
Geschichte und der Gesellschaft. Aber sie allein umfasst 4000 Jahre
Geschichte und Zivilisation, welche die ganze Welt beeinflusst haben.
Sie ist ein reicher kultureller Schatz an sich, und sie ist
unumgänglich, wenn wir unsere Geschichte kennen lernen wollen. Sie
enthält alle menschlichen Literaturformen, und nur schon deshalb ist
sie eine aussergewöhnliche Fundgrube. So ist es nicht erstaunlich, dass
sowohl auf deutsch als auch auf französisch im Laufe der letzten
zwanzig Jahre sehr viele Neuübersetzungen erschienen sind und sie
weiterhin in unserer Kultur ein Bestseller und ein unumgängliches Werk
bleibt. Aber paradoxerweise wird sie immer weniger zur persönlichen
täglichen Lektüre benutzt, obwohl sie seit 15 Jahren einen nie da
gewesenen kulturellen Erfolg hat. Ein Beispiel: Einer meiner Freunde
hatte im Vieux Port in Montreal eine Ausstellung über die Texte vom
Roten Meer organisiert, in welcher unter anderem Kopien von uralten
Manuskripten des Alten Testamentes zu sehen waren. Ein absoluter
Besucherrekord. Und in der Migrosklubschule in Genf wurden vor einigen
Jahren mit sehr grossem Erfolg Kurse über die Bibel angeboten. Sie
werden mir nun sofort sagen, dass Sie die Bibel nicht nötig hätten um
ein guter Milchproduzent oder Ackerbauer zu sein. Aber Sie lesen ja
alle Ihre Heimatzeitungen, sogar den "Volkskalender" oder den
"Hinkenden Boten", um mehr zu erfahren. Sie sind also auch auf der
Suche nach Ihren Wurzeln und lesen darüber, wenn Sie wollen. Umso
besser, wenn Ihnen das hilft. Nun, das ist es was ich Ihnen über
die Bibel als Menschenwort sagen wollte, eine wunderbare Quelle der
Menschheitsgeschichte. Das nächste Mal werde ich über die Bibel als
Wort Gottes schreiben. Einen schönen Herbst!
|
|
|
Pfarrbesuche im Untergeschoss – der Glaube beginnt beim Beten
Seit letzten Mai haben die Gemeindebesuche den Glauben zum Thema. Bei
diesen Begegnungen sprechen Sie sehr spontan vom Gebet und zeigen sich
manchmal sogar ein wenig überrascht, dass man überhaupt danach fragen
kann. Das Gebet ist für Sie etwas sehr Privates, etwas, worüber man in
der Öffentlichkeit nicht redet, sondern nur am Küchentisch, wenn
Vertrauen entsteht und man in die Tiefe der persönlichen Dinge kommt.
Ja, sie erklären mir spontan, dass Sie beten, und dies regelmässig.
Beten versteht sich von selbst für den grössten Teil der Leute, die ich
besucht habe. Beten ist oft wie eine erste Antwort, ein wesentlicher
Bestandteil Ihres Lebens. Und oft ist es so selbstverständlich und
natürlich, ein inneres, persönliches Erbe.
Sie erzählen mir auch, wie ihr Gebet aussieht, Dankgebete für das, was
Gott Ihnen geschenkt hat in ihrem Leben. Aber Sie dürfen Gott auch
besondere Anliegen vorbringen, Dinge, die Ihnen am Herzen liegen oder
die Ihr Leben verdunkeln. Das nennt man Fürbitte- oder Bittgebet, wie
wir es in der Gottesdienstordnung ganz am Ende finden. Das Gebet des
Elementaren, Grundsätzlichen.
Genau so spontan sprechen Sie von den Gebetsformen, die Sie vor Gott
bringen. Sie sind spontan, wie man in der religiösen Sprache sagt. Für
diejenigen, die sich in verschiedenen religiösen Gruppierungen bewegt
haben, ist die Herkunft dieser Gebete recht einfach zu erkennen, wie
man die Quelle eines Baches kennt oder die Pflaumensorten, die gut
schmecken. Schliesslich ist ein Neuenburger kein Appenzeller. Und doch
ist es schlussendlich das Gleiche. Auch wenn Sie nicht mit mir beten
gelernt haben.
Ein mir bekannte Kinderpsychiater fragte suizidgefährdete Kinder, ob
sie beteten, auch wenn sie keine persönliche religiöse Erziehung
bekommen hatten. Acht von zehn Kindern erklärten, dass sie tatsächlich
ganz spontan beteten. Es ist das tiefe menschliche Wesen, das beten
will, und das ist gut.
Ein drittes habe ich bemerkt: Für sie ist beten oft auch das
Wiederaufnehmen von gehörten und gelernten Gebeten, die Sie zu Ihren
eigenen machen, wie man die Worte einer andern Person benutzt, um das
auszudrücken, was diese besser in Worte zu fassen vermag. Ich
denke da ans Unser Vater, das ein Kranker betet, für den es die beste
Form ist, das zu sagen, was er selbst weder verstehen noch formulieren
kann. Also das Wiederholen von Worten, die uns berührt haben.
Und schliesslich habe ich jüngere und ältere Menschen sagen hören, dass
in der Natur eine Gegenwart spüren, die für sie eine Form des Betens
ist. Eine Person sagte mir, dass sie in ihrem Blumen- und Gemüsegarten
auf ihre Art bete und neue Kräfte sammle, indem sie die Schönheit der
Schöpfung bewundere. Und jemand anderes findet in der Schönheit und
Grossartigkeit der Natur alles, was er braucht. Er weiss nicht sicher,
ob Gott existiert, aber sich mit der aufgehenden Sonne in Verbindung zu
fühlen ist sehr gut und genügt ihm. Es braucht keine Worte, aber eine
Präsenz in der Schöpfung. Das ist auch eine ausgezeichnete Form des
Gebetes, doch wenn die Menschen fehlen darin, ist es vielleicht, weil
sie für uns ein Problem sind.
Es ist bemerkenswert, dass Sie zuerst von ihrem Glauben reden, indem
Sie auf das Gebet zu sprechen kommen. Einer meiner Lehrer, André Dumas,
hat am Ende seines Lebens Gebete veröffentlicht, die einen grossen
inneren Reichtum enthalten, und er beschliesst mir einem Kapitel: Beten
heisst mit Gott reden. «Beten, das ist vieles» aber es ist nicht alles.
Warum also beten? Um Gott zu unterstützen. Um den Menschen
aufzurichten. Deshalb gebe ich Ihnen jeden Monat «Rezepte», Gebete und
geistliche Texte. Man kann auf den Ideen anderer aufbauen. Sie haben
einen grossen Reichtum, pflegen Sie Ihn!
|
|
|
[eine Seite weiter]
|